Der Anfang vom Ende für Facebook

Facebook-timeline
Die neue Timeline für Marken / Fanpages

Bisheriges Dialogmodell wird eingestellt.
 

Facebook hat gestern die Timeline für Fanpages vorgestellt. Und hat trotz langer Vorbereitung einfach die Timline der persönlichen Profile übernommen und sich keinerlei sinnvolle Features für die Brand Pages einfallen lassen - dabei hätte es davon jede Menge an Ideen auch schon im Netz gegeben ... aber das ist eine andere Geschichte.

Also warum soll nun die neue Timeline für Fanpages der Anfang vom Ende von Facebook sein? Bei aller Euphorie über den gestrigen Launch ist ein ganz wesentlicher Schritt von Facebook untergegangen. Und zwar:

Beiträge der Fans – spielen in der neuen Timeline eine deutlich untergeordnete Rolle. Denn das Nutzerfeedback wird aggregiert in einem einzigen Feld auf der Page anzeigt, dies verursacht bei weitem nicht die Aufmerksamkeit wie bei den alten Pages. Die “Kommunikation auf Augenhöhe”, welche wir aus den alten Profilen kannten, wird deutlich beschnitten.

Wie es auf allfacebook.de noch sehr freundlich formuliert auch zu lesen ist. Was bedeutet nun diese Rückkehr zum "digitalen Narzissmus"? Nun, es ist nichts anderes als die Rückkehr zur selbstlosen Darstellung der Unternehmen wie sie in den besten Web 1.0 bzw. Anfängen des Web-Zeitalters schon vorherrschend war. Waren es vielleicht damals noch 1:1 Abbildungen der Inhalte von Unternehmensfoldern so wird es sich beim News-Feed der Fanpages vielleicht mehr in Richtung PR-Beitrage angereichert mit ein paar bunten Bildern und Multimedia-Elementen handeln.
Doch das Grundproblem kehrt damit mit einem Schlag wieder zurück: Man stellt den im Social Media Zeitalter so gepriesenen "User" wieder ins digitale Abseits.

Dieser Dialog auf Augenhöhe, der genau die Faszination gerade in Facebook für viele der Grund für die hohe Identifikation und starke Interaktion mit Fanseiten war, wird damit massiv eingeschränkt.

Ich prophezeie jetzt - und das ist auch nicht sonderlich schwer zu erraten - dass in wenigen Wochen nach der Umstellung wir uns wieder auf Facebook im one-way, eindimensionalen Kommunukatioszeitalter befinden werden. Leider hat hier Facebook offensichtlich nur das klassische Denkmodell von Werbekunden bzw. Unternehmen im Kopf und blendet die so wichtige Weiterentwicklung von neue Interaktionsformen und nahtloser Marke / Unternehmen <-> Consumer Kommunikation aus. Ein weiteres Indiz dafür ist auch die neue Funktion, dass User nun auch direkte Nachrichten (E-Mails) an Fanpages schicken können. Damit wären wir dann wirklich wieder im Zeitalter der klassischen Websites mit geschönter Unternehmensdarstellung, Gästebuch, Kontaktformular und E-Mail Adresse.

 

Update:

Wie Ulrich Bachmann auf dem Grafikatur-Blog schreibt, ist nun ein direktes Anspringen von Reitern / Tabs nur mehr über Werbeanzeigen möglich! Das Fan-Gating bzw. die Auswahl von Landing-Tabs wurde durch die neue Timeline vollständigt entfernt. Ein weiterer Punkt der die offensichtlichen Monetarisierungsmaßnahmen zeigt.

Passend dazu auch der Kommentar von Juergen Hoebarth der erwähnt, dass Facebook selbst in der Präsentation von "Marketing Canvas" spricht in Bezug auf die neue Timeline.

Kneissl - Der Stern ohne Marke

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Puh, da hat doch Hannes Offenbacher in seinem Beitrag ein Thema angeschnitten, das mir wirklich nahe geht. Nicht nur als Tiroler (da geht es mehreren so wie zB dem Tirol Blog) sondern vor allem auch als Markenstratege wird mir ganz mulmig im Magen. Kneissl, die einst weltweit erfolgreiche Ski-Marke die in den letzten Jahren immer mehr an Strahlkraft verlor. Soweit sogar, dass nun das Konkursverfahren eröffnet ist und die Situation im Allgemeinen wenig Aussicht auf Erfolg verspricht.

Was ist passiert mit einer Marke die 1969 James Bond Film "On Her Majesty's Secret Service" sich in Szene setzen konnte und die als ein Paradebeispiel für "Preispremium" stand? Es gibt dafür sicherlich sehr viele Gründe, doch sehe ich zwei Bereiche besonders stark:

+ Verloren in der Masse der Belanglosigkeit

Die Entscheidungsträger sind daran gescheitert einer schier unendlichen Bandbreite an Möglichkeiten zu viel Bedeutung zu schenken. LOHAS & Co. und das wirtschaftliche Verlangen noch mehr Branchen zu bedienen führten dazu, dass Kneissl jeden klaren Marken-Charakter verlor. Sehr schade vor allem wenn man bedenkt, Kneissl gilt als Erfinder des Carving-Skis in den 90er Jahren und konnte auch mit der Innovation Big Foot überzeugen.
"Ein bißchen von fast Allem war schon immer von Allem nichts Richtiges." Leider erkannte man selbst 5 for 12 wie es so schön heißt noch immer nicht die Notwendigkeit einer klaren Positionierung der Marke - erschreckend! Erst kürzlich Ende Jänner 2011"Kneissl sieht sich mittlerweile als Lifestyle-Unternehmen. Die Produktpalette reicht von Lederjacken über Fahrräder bis zu Tennis-Rackets." (Quelle)

+ Geldgeber / Sanierer sind keine Brand-Manager

Über die Jahre wechselten auch Eigentümer und Investoren. Was schlußendlich allen gemeinsam war: das fehlende Gespür für die Marke. Eine Marke ist wie ein Bonsai-Baum. Es braucht Jahre intensiver Zuwendung und konsequenter, liebevoller "Führung" um die volle Pracht zu entfalten, doch schon wenige Tage sträflicher Vernachlässigung und Entscheidungen können das Ende herbeiführen. Patrick Breitenbach hat einen schönen Artikel geschrieben wie sehr man sich mit einer Marke verschmelzen sollte. Das gilt für alle Marken-Entscheider. Denn wer nur von Quartal zu Quartal, Vorstandsperiode zu Vorstandsperiode oder an die nächste Bonifikation denkt hat weder etwas mit wirschaftlich, verantwortungsvoller Führung zu tun und schon gar nicht mit effizienter Markenführung.


Naiv wie ich immer noch viel zu oft bin, hoffe ich noch auf ein kleines Wunder in dieser Sache. Vielleicht findet sich sogar wirklich jemand der sich dem Thema der Nachhaltigkeit annimmt oder das Potential hinter dieser so legendären Marke erkennt. Ich denke aber es wird auf alle Fälle keiner aus dem Bereich Merger & Acquisitions, Controlling & Co. sein ;-)

In Memoriam Boris Becker "Bin ich schon drin oder was?*

Nun ist es also doch soweit! Nach jahrelanger Überzeugungskunst von Hannes Offenbacher (dem an dieser Stelle für seine unglaubliche Hartnäckigkeit wirklich großer Dank gebührt) eröffne ich nun doch noch meinen persönlichen Blog. Hat denn die Welt wirklich noch einen weiteren Blog von mir nötig? Offensichtlich doch wie viele meinen. Denn es soll in meinem Blog nicht um Copy&Paste Inhalte anderer Portale gehen (Mashable & Co. lassen grüßen) sondern um das Beleuchten / Hinterfragen / Aufzeigen etc. von Dingen die mir alltäglich begegnen. Da ich seit nunmehr fast 20 jahre im Internet aktiv bin, habe ich schon viel kommen und gehen sehen. Eine Erfahrung die ich nicht mehr missen möchte um aktuelle Entwicklungen und Trends richtig einzustufen und deren Bedeutung zu bewerten.

Dann kann's ja los gehen! :-)
Meine Vorliebe für Interaktion vorausschickend, freue ich mich natürlich auch sehr über Vorschläge, Fragen, Themen die ich dann gerne im Blog aufgreifen werde.

* http://www.wer-sagt-was.de/boris-becker-bin-ich-schon-drinoder-was/